Alle, die mich kennen, wissen, dass ich ja eh immer an irgendwas schreibe. Wenn nicht an einer Geschichte oder einem Gedicht, dann zumindest Tagebuch. Und vielleicht habe ich auch nach zwei Wochen keine Lust mehr hier drauf, aber gerade habe ich sie und deswegen…
… Kolumbien also. Ich bin gespannt darauf, wie lange es braucht, die Vorstellungen von dem Land und dem Lebensgefühl dort durch echte Erlebnisse zu ersetzen. Ich freue mich auf den Moment, wenn man plötzlich „aufwacht“ und merkt, dass die schwierige Anfangsphase geschafft ist und man sich plötzlich irgendwie natürlich in dem neuen Leben bewegt. Ich hoffe, ich finde schnell Menschen, mit denen ich mich wohlfühle und eine gute Zeit haben kann. Und dass das Vermissen von Familie, FreundInnen und meinem Hamburg-Alltag nicht zu stark wird. Und dass ich den Job gut mache und nicht vorzeitig gefeuert werde, das wäre schon auch ziemlich toll haha.
Warum eigentlich?
Letztes Jahr, 2022, hat sich viel verändert. Mit einem Mal waren viele Vorstellungen von einer Zukunft, die in mir über Jahre gewachsen waren, weg… oder nicht mehr gültig. Plötzlich alles Fahrkarten, die schon entwertet waren.
Also habe ich irgendwann im Januar den Vertrag für die Deutsche Schule in Bogotá unterschrieben und seitdem stand fest: 2 Jahre Kolumbien, erstmal, vielleicht auch länger.
Mittlerweile ist Hamburg schon weg: Wohnung gekündigt, Möbel bei meiner Tante untergebracht, die letzten 8 Tage verbringe ich gerade in Leipzig bei meiner Familie.
Aber nochmal zu der Frage: Warum? Darauf gibt es ein paar Antworten. Weil ich die Alternativen nicht fühle. In Hamburg hält mich gerade nichts mehr. Und weil ich seit Australien – was mittlerweile zehn Jahre her ist – immer nochmal für längere Zeit woanders leben wollte.
Weil es einen Unterschied macht, in einem veränderten Leben zurückzubleiben, oder aber die Veränderung im Leben selbst herbeizuführen. Weil meine größte Angst die ist, zu klein zu denken, zu klein zu träumen.
Letztes Jahr hat jemand, den ich lieb habe, zu mir gesagt: „Die Welt ist so groß, es gibt so viele Menschen, sooo viele Arten zu leben…“ Es war das langgezogene So, in dem irgendwie Sehnsucht und eine Weite mitschwang, wie man sie sonst vielleicht noch fühlt, wenn man in der Abenddämmerung über ein Feld oder das Meer blickt.
