Erlebnisse zeichnen Momente wie Bilder, Momente werden zum Film der Erinnerung.
In der Gegenwart, oder noch nah an ihr dran, sind die Bilder komplett, voller Details und gestochen scharf. Mit der Zeit, die vergeht, werden die Bilder nicht unbedingt unscharf, aber es bleibt oft nur ein Ausschnitt: Das, was uns von diesem Erlebnis am meisten berührt hat. Ein Gedanke, ein Gefühl, das mit uns geht, egal, wohin wir uns bewegen.
Und wenn wir zurückschauen, zieht es uns kurz zurück, vielleicht zu…
… einem Fluss, der ruhig und gleichmäßig durch den Regenwald strömt, unbeirrt, als wär es immer das gleiche Wasser, das an den hellen Felswänden leckt und den Duft nach Vanille träge mit sich zieht.
… einem Kind, das ein Tor schießt und mit den Knien in den staubigen Sand eines verkommenen Bolzplatzes fällt, irgendwo in Panama, zwischen Karibik- und Pazifikküste, und im nächsten Moment von seiner Mannschaft überrannt wird.
… dem tiefen Atemzug, als beim Verlassen des Flugzeugs die schneebedeckten, von gleißender Sonne beschienenen Gletscher Patagoniens auftauchen und es plötzlich still wird.
… der Busfahrt bei offenen Türen und Fenstern im letzten warmen Abendlicht, das es nur ab und zu durch die dichten Palmöl-Plantagen Costa Ricas schafft; der Busfahrer wippt mit dem Kopf zum 2000er-Hip Hop, ich habe Sand an den Füßen und im Haar, meine Haut glüht von der Sonne und dass ich keine Wale gesehen habe, macht es zu einem noch größeren Traum.
… den verwinkelten Gassen Cuscos, in denen es nach Palo Santo riecht; irgendwo ist immer eine Panflöte zu hören, Alpacas tragen bunte Ponchos und manche Frauen hohe Hüte, die Nächte sind eisig und plötzlich liegt der Titicaca-See vor mir, tiefblau und unendlich wie ein Meer, nur das helle Licht und die dünne Luft verraten, dass wir auf über 4000 Metern Höhe sind.
… Buenos Aires’ prunkvollen, weißen Hausfassaden und Eckcafés, vor denen Menschen rauchen und dabei gut aussehen; ewigen Spaziergängen, die nicht müde machen, weil diese Stadt irgendwie glitzert und mich daran erinnert, dass ich Städte eigentlich mag; weiter im Süden von Argentinien schimmert der Herbst in Goldgelb und Kirschrot, es riecht nach trockenem Laub und Pinienbäumen und mein Kopf versteht nicht, dass ich im April den ersten Herbst nach 2 Jahren erlebe.
… einem Gefühl von Lebendigkeit und Freiheit: nach dem Aufstehen und dem 11-Kilometer-Lauf entlang an Arubas türkisfarbenen Buchten, 34 Grad, das Herz pumpt, die Beine sind erschöpft und gleichzeitig so leicht; kurz vorm Schlafengehen, als ich allein am Strand stehe, wird der warme Wind immer stärker, ich schaue nach oben und jede Sekunde werden es mehr Sterne, ich bin allein und könnte nicht weniger einsam sein.
… dem großen Schatten, der sich über den vibrierenden Strand von Ipanema legt, als Rios Sonne hinter der ikonischen Felssilhouette verschwindet und Menschen in Badehosen, auf Fahrrädern, mit Fußbällen, Musikboxen und Dosenbier einfach zurücklässt.
… dem überraschten Blick von jemandem, der neben mir im Zug, auf dem Rückweg vom Machu Picchu, sitzt und nicht damit gerechnet hat, dass ich ihn anspreche, weil mein Gesicht verraten hat, dass mir das brüllende Lachen eigentlich zu laut war – meine Neugier nach dem argentinischen Akzent gewinnt jedoch und …
Monate später, sieht mich dieser Mensch mit schiefgelegtem Kopf an, ein Lächeln in den Augen, und einer von uns beiden denkt darüber nach, ob das hier gerade der Anfang von etwas Größerem ist; ein Erlebnis, das zu einem Moment wird, von dem mehr als ein Bildausschnitt bleibt, der zur ersten Szene eines ganz eigenen Films wird.




















































































































































