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hier und da

  • Was bleibt

    März 1st, 2026

    Erlebnisse zeichnen Momente wie Bilder, Momente werden zum Film der Erinnerung.
    In der Gegenwart, oder noch nah an ihr dran, sind die Bilder komplett, voller Details und gestochen scharf. Mit der Zeit, die vergeht, werden die Bilder nicht unbedingt unscharf, aber es bleibt oft nur ein Ausschnitt: Das, was uns von diesem Erlebnis am meisten berührt hat. Ein Gedanke, ein Gefühl, das mit uns geht, egal, wohin wir uns bewegen.


    Und wenn wir zurückschauen, zieht es uns kurz zurück, vielleicht zu…

    … einem Fluss, der ruhig und gleichmäßig durch den Regenwald strömt, unbeirrt, als wär es immer das gleiche Wasser, das an den hellen Felswänden leckt und den Duft nach Vanille träge mit sich zieht.
    … einem Kind, das ein Tor schießt und mit den Knien in den staubigen Sand eines verkommenen Bolzplatzes fällt, irgendwo in Panama, zwischen Karibik- und Pazifikküste, und im nächsten Moment von seiner Mannschaft überrannt wird.
    … dem tiefen Atemzug, als beim Verlassen des Flugzeugs die schneebedeckten, von gleißender Sonne beschienenen Gletscher Patagoniens auftauchen und es plötzlich still wird.
    … der Busfahrt bei offenen Türen und Fenstern im letzten warmen Abendlicht, das es nur ab und zu durch die dichten Palmöl-Plantagen Costa Ricas schafft; der Busfahrer wippt mit dem Kopf zum 2000er-Hip Hop, ich habe Sand an den Füßen und im Haar, meine Haut glüht von der Sonne und dass ich keine Wale gesehen habe, macht es zu einem noch größeren Traum.
    … den verwinkelten Gassen Cuscos, in denen es nach Palo Santo riecht; irgendwo ist immer eine Panflöte zu hören, Alpacas tragen bunte Ponchos und manche Frauen hohe Hüte, die Nächte sind eisig und plötzlich liegt der Titicaca-See vor mir, tiefblau und unendlich wie ein Meer, nur das helle Licht und die dünne Luft verraten, dass wir auf über 4000 Metern Höhe sind.
    … Buenos Aires’ prunkvollen, weißen Hausfassaden und Eckcafés, vor denen Menschen rauchen und dabei gut aussehen; ewigen Spaziergängen, die nicht müde machen, weil diese Stadt irgendwie glitzert und mich daran erinnert, dass ich Städte eigentlich mag; weiter im Süden von Argentinien schimmert der Herbst in Goldgelb und Kirschrot, es riecht nach trockenem Laub und Pinienbäumen und mein Kopf versteht nicht, dass ich im April den ersten Herbst nach 2 Jahren erlebe.
    … einem Gefühl von Lebendigkeit und Freiheit: nach dem Aufstehen und dem 11-Kilometer-Lauf entlang an Arubas türkisfarbenen Buchten, 34 Grad, das Herz pumpt, die Beine sind erschöpft und gleichzeitig so leicht; kurz vorm Schlafengehen, als ich allein am Strand stehe, wird der warme Wind immer stärker, ich schaue nach oben und jede Sekunde werden es mehr Sterne, ich bin allein und könnte nicht weniger einsam sein.
    … dem großen Schatten, der sich über den vibrierenden Strand von Ipanema legt, als Rios Sonne hinter der ikonischen Felssilhouette verschwindet und Menschen in Badehosen, auf Fahrrädern, mit Fußbällen, Musikboxen und Dosenbier einfach zurücklässt.


    … dem überraschten Blick von jemandem, der neben mir im Zug, auf dem Rückweg vom Machu Picchu, sitzt und nicht damit gerechnet hat, dass ich ihn anspreche, weil mein Gesicht verraten hat, dass mir das brüllende Lachen eigentlich zu laut war – meine Neugier nach dem argentinischen Akzent gewinnt jedoch und …

    Monate später, sieht mich dieser Mensch mit schiefgelegtem Kopf an, ein Lächeln in den Augen, und einer von uns beiden denkt darüber nach, ob das hier gerade der Anfang von etwas Größerem ist; ein Erlebnis, das zu einem Moment wird, von dem mehr als ein Bildausschnitt bleibt, der zur ersten Szene eines ganz eigenen Films wird.

    Panamá
    Panamá
    Panamá
    Panamá
    Panamá
    Kakao-Frucht, Panamá
    Cusco, Perú
    Cusco, Perú
    Perú
    Perú
    Perú
    Perú
    Perú
    Perú
    Perú
    Perú
    Perú
    Titicaca See
    Titicaca See
    Titicaca See
    Titicaca See
    Titicaca See
    Perú
    Perú
    Perú
    Perú
    Perú
    Perú
    Costa Rica
    Costa Rica
    Costa Rica
    Costa Rica
    Costa Rica
    Costa Rica
    Costa Rica
    Costa Rica
    Costa Rica
    Danach war mir schlecht, komisch
    Aruba
    Aruba
    Aruba
    Aruba
    Aruba
    Aruba
    Aruba
    Aruba
    Aruba
    Aruba
    Chile, Patagonia
    Patagonia
    Patagonia
    Patagonia
    Torres del Paine
    Patagonia
    Patagonia
    Chile, Viña del Mar
    Chile
    Santiago de Chile
    Santiago de Chile
    Chile
    Chile
    Chile im Juli
    Chile
    Santiago de Chile
    Chile
    Chile
    Chile
    Chile
    Chile
    Chile
    Chile
    Chile
    Buenos Aires, Argentina
    Buenos Aires
    Buenos Aires
    Buenos Aires
    Buenos Aires
    Buenos Aires
    Buenos Aires
    Buenos Aires
    Buenos Aires
    Argentina
    Argentina
    Argentina
    Argentina
    Argentina
    Argentina
    Argentina
    Argentina
    Argentina
    Argentina
    Argentina
    Argentina
    Perrito Moreno
    Buenos Aires
    Copacabana, Rio de Janeiro
    Ipanema, Río de Janeiro
    Pão de azúcar
    Río de Janeiro
    Ipanema
    Ilha Grande, Brasil
    ❤

  • Bald 3 Jahre Kolumbien

    Februar 22nd, 2026

    Jetzt sind es schon über zwei Jahre, die ich hier lebe.
    Alltag ist überall Alltag; in Bogotá fühlt er sich an manchen Tagen besonders eng an, weil kurze Wege lange dauern und man trotzdem keine Zeit hat, manchmal nichts vorangeht und gleichzeitig alles weiter hetzt.
    Doch abseits davon ist mein Leben groß und tief, ein Ozean voller Momente, die sich echt anfühlen. Natürlich frage ich mich ab und zu, ob ich hier gerade am richtigen Ort bin. Wenn ich die dreißigsten und achtzigsten Geburtstage, die Hochzeiten und Geburten verpasse. Oder auch die ganz normalen, unaufgeregten Tage. Die, die leise an einem vorbeiziehen und erst später, in der Erinnerung wichtig werden, weil sie sich einreihen in Geschichten, die irgendwann von Freundschaften und Familie erzählen. Bei Mama im Garten sitzen, Kirschen ernten, einen Rotwein trinken, den Grill anmachen und mit den Geschwistern darum streiten, wer nach dem Essen den Geschirrspüler einräumen muss. Mit Papa auf der Karli Mittagessen, von dort in die Stadt spazieren, über Politik und die Liebe reden, laut lachen, sich zum Abschied in den Arm nehmen und für Trash-TV verabreden. Kochen mit Oma und Opa und Karten spielen, mit Freunden auf dem Balkon sitzen oder mit dem Rad an den See fahren, dort nebeneinander liegen und sich jeden Sommer neu erinnern, an das erste Mal, das man hier betrunken war, an den Liebeskummer, den man hier ausgeweint hat, an die Sternschnuppen, die man hier gezählt hat. Momente, die ich haben könnte.
    Aber dann denke ich: Wie kann ich nicht am richtigen Ort sein, wenn mich auch diese Momente, zusammen mit all den kleinen Entscheidungen, die ich getroffen habe, genau hier hergebracht haben? Ich bin hier trotz all’ dem und ich bin hier wegen all’ dem. Ich hatte Angst, einen Weg nicht zu gehen, der erstmal abwegig scheint, wenn man vor nichts wegrennen muss. Und den Schritt gegangen zu sein, hat mich größer gemacht – ich habe viel gelernt oder es zumindest versucht.
    Mir kommt das Bild von einer Seiltänzerin, die mit ausgestreckten Armen und wackligen Beinen Fuß vor Fuß setzt, unter ihr ein Abgrund, in dem Sicherheit und Freiheit ineinander greifen.
    In den letzten beiden Jahren habe ich nur gemacht, worauf ich Lust hatte. Keine Kompromisse, kein schlechtes Gewissen, nie hab ich mich so frei gefühlt. Nach dem Motto: Mein Leben ist schön, wenn du Lust hast mitzumachen, gerne, wenn nicht, auch gut. Ich bin zu meiner besten Freundin geworden und wenn mich Einsamkeit noch nie gestört hat, dann ist sie jetzt zu einer vertrauten, treuen Gefährtin geworden, die mich nie enttäuscht, auf die ich immer setzen kann. Der Film „Into the wild“ berührt mich tief, weil etwas in mir diese Sehnsucht nach Einsamkeit nachvollziehen kann, nach einer unantastbaren Stille, der totalen Unabhängigkeit. Einsamkeit ist Sicherheit und Freiheit zugleich. Zumindest bis zur Hälfte des Seils, bis zur Mitte des Abgrundes.
    Tief im Inneren weiß ich auch, dass Einsamkeit nicht gleich Freiheit ist und auch keine Sicherheit garantiert. Ich muss zugeben, dass das Leben mehr Farben hat und heller leuchtet, wenn man es schafft, sich in der Gesellschaft anderer Menschen genauso frei, genauso sicher zu fühlen, wie wenn man allein ist.

    Es war leicht für mich, sich mit der Einsamkeit anzufreunden, es war viel schwerer wieder Platz zu machen für andere Menschen.

    Vor zwei Jahren habe ich in mein Tagebuch einen Satz geschrieben: Wie viel Konjunktiv erträgt das Leben?

    Cali
    Buritaca
    Lieblingsort
    Arepa & huevos auf die 1
    Mendihuaca
    Tayrona mit Familie, Sommer 2025
    Valle de Cócora mit Familie, Sommer 2025
    Bogotá
    Morgens, 5:55 Uhr
    Cedritos
    Mendihuaca
    Und unser Lieblingsrestaurant Flora
    Lieblingsstrand
    La Vega
    Freitage in Puro Zumo
    La Vega
    Nikolaus in Medellín
    La Vega
    Medellín
    Medellín
    Medellín
    Cali
    Cali
    Colombia en la piel
    Cartagena
    Cartagena
    Cartagena
    Cartagena
    Cartagena
    Villa de Leyva
    Mit Laura unterwegs
    Zuhause

    Besuche
  • Weniger Angst

    Februar 22nd, 2026

    9 Monate Kolumbien.

    Seit ich weggegangen bin, hat sich mein Leben aufgepustet wie ein Luftballon. Da ist mehr Platz und ich nutze ihn, mehr Fläche und ich breite mich auf ihr aus.


    Und dann muss ich an die Endszene von „American Beauty“ denken, in der man sieht, wie der Wind eine Mülltüte kurz in die eine, dann in die andere Richtung zieht. Dazu diese melancholische und gleichzeitig so schöne Musik und der Satz: „Sometimes, I feel like I’m seeing it all at once, and it’s too much – My heart fills up like a balloon that’s about to burst.“
    Das Gefühl ist mir hier vertraut geworden, es ist so viel, es ist so voll, es ist so gleichzeitig.


    Was hat sich denn verändert? Mein Morgen beginnt immer noch mit Kaffee und Tagebuch, nur sitze ich an ganz anderen Orten. Und dort denke ich an, schreibe von den gleichen Menschen, die mich in den letzten Jahren begleitet haben. Aber auch von einigen Menschen mehr, die mir hier wichtig geworden sind – die glücklich sein müssen, damit ich es bin. Manchmal denke ich, es wäre schön, wieder „die eine Person“ zu finden, mit der ich im gleichen Team spiele. Um die ich mich drehe und umgekehrt. Aber dann merke ich, wie glücklich ich gerade alleine bin, weil ich tun kann, was ich will, wo ich will, mit wem ich will. Außerdem bin ich gar nicht allein. Ich fühle mich gehalten im Vermissen meiner Familie und Freunde und dann sind da die neuen Freundschaften, die hier auf mich gewartet haben, ohne, dass ich von ihnen wusste.
    Ich vermisse den Frühling, den Duft nach Bärlauch und Flieder und den Blick über sonnengetränkte Rapsfelder. Meine Familie, meine Freunde. Und ich vermisse deutsches Brot. Aber dann bin ich nach 10 Tagen Peru Sonntagabend auf der Suche nach Arepa con queso, abends weht es kühl aus den Anden und wenn ich vorm karibischen Meer stehe und meine Füße in warmem Sand versinken, weiß ich gar nicht mehr, wie sich der Herbst anfühlt.

    Ich weiß aber, dass ich nicht mehr so viel Angst habe. Weniger Angst… davor, dass etwas passiert. Und noch weniger davor, dass etwas nicht passiert.

  • Warum?

    Juli 18th, 2023

    Alle, die mich kennen, wissen, dass ich ja eh immer an irgendwas schreibe. Wenn nicht an einer Geschichte oder einem Gedicht, dann zumindest Tagebuch. Und vielleicht habe ich auch nach zwei Wochen keine Lust mehr hier drauf, aber gerade habe ich sie und deswegen…

    … Kolumbien also. Ich bin gespannt darauf, wie lange es braucht, die Vorstellungen von dem Land und dem Lebensgefühl dort durch echte Erlebnisse zu ersetzen. Ich freue mich auf den Moment, wenn man plötzlich „aufwacht“ und merkt, dass die schwierige Anfangsphase geschafft ist und man sich plötzlich irgendwie natürlich in dem neuen Leben bewegt. Ich hoffe, ich finde schnell Menschen, mit denen ich mich wohlfühle und eine gute Zeit haben kann. Und dass das Vermissen von Familie, FreundInnen und meinem Hamburg-Alltag nicht zu stark wird. Und dass ich den Job gut mache und nicht vorzeitig gefeuert werde, das wäre schon auch ziemlich toll haha.

    Warum eigentlich?
    Letztes Jahr, 2022, hat sich viel verändert. Mit einem Mal waren viele Vorstellungen von einer Zukunft, die in mir über Jahre gewachsen waren, weg… oder nicht mehr gültig. Plötzlich alles Fahrkarten, die schon entwertet waren.
    Also habe ich irgendwann im Januar den Vertrag für die Deutsche Schule in Bogotá unterschrieben und seitdem stand fest: 2 Jahre Kolumbien, erstmal, vielleicht auch länger.
    Mittlerweile ist Hamburg schon weg: Wohnung gekündigt, Möbel bei meiner Tante untergebracht, die letzten 8 Tage verbringe ich gerade in Leipzig bei meiner Familie.

    Aber nochmal zu der Frage: Warum? Darauf gibt es ein paar Antworten. Weil ich die Alternativen nicht fühle. In Hamburg hält mich gerade nichts mehr. Und weil ich seit Australien – was mittlerweile zehn Jahre her ist – immer nochmal für längere Zeit woanders leben wollte.

    Weil es einen Unterschied macht, in einem veränderten Leben zurückzubleiben, oder aber die Veränderung im Leben selbst herbeizuführen. Weil meine größte Angst die ist, zu klein zu denken, zu klein zu träumen.


    Letztes Jahr hat jemand, den ich lieb habe, zu mir gesagt: „Die Welt ist so groß, es gibt so viele Menschen, sooo viele Arten zu leben…“ Es war das langgezogene So, in dem irgendwie Sehnsucht und eine Weite mitschwang, wie man sie sonst vielleicht noch fühlt, wenn man in der Abenddämmerung über ein Feld oder das Meer blickt.

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